Von Franz Meier, Stein
Wiederum sind rund mehr als zwei Dutzend schattenspendende Bäume am Rheinufer einer «Baumschänderei» zum Opfer gefallen. Es waren aber nicht Nachtbuben, die diesen Unfug anstellten. Die «Baumschänder» handelten «offiziell» im Auftrag des Rheinkraftwerks Bad Säckingen.
In den vergangenen Jahren haben die Baumfällaktionen am Rheinufer immer wieder zu Kontroversen geführt. Wo vor Jahren noch ein grosser Bestand an hohen Bäumen am Uferweg für Schatten sorgte, wurden dann immer mehr dieser Bäume gefällt – ohne dass für Neuanpflanzungen gesorgt worden ist.
Begründet hat das Kraftwerk die Falläktionen jeweils mit – vorgeschobenen – Argumenten. Es hiess, es müsse dafür gesorgt werden, dass Bäume und Äste nicht ins Wasser fallen könnten. In diesem Jahr wurde damit argumentiert, dass abgestorbene Äste Passanten gefährden könnten. Dass diese Argumente nur Vorwand sind, kann am Ergebnis der Fällaktion am 25. März gesehen werden. Es wurden ganze Baumkronen gekappt oder Bäume gefällt, deren Zweige am Spriessen waren. Andere Bäume mit dürren Ästen wurden aber stehen gelassen, und deren dürre Äste nicht entfernt.
Am Steiner Rheinufer erfolgt die «Baumpflege» seit Jahren in wiederkehrenden Abständen als «Fäll-Aktionen» durch das Rheinkraftwerk. Dabei werden völlig überdimensionierte Maschinen eingesetzt, die für eine sorgfältige Baumpflege gar nicht geeignet sind. So werden dann entweder – hochstämmige, schattenspendende – Bäume kurzerhand ganz gefällt oder deren Kronen kurzerhand gekappt und nur noch die Stämme oder ein Baumstumpf belassen – siehe Bild. Kritisiert man das, wird einem entgegengehalten, diese Bäume würden dann wieder ausschlagen. Schattenspender sind diese Bäume dann aber nicht mehr.
Der Rheinuferweg ist heute aber zur wichtigsten Naherholungszone für Steiner geworden – und in den immer heisser werdenden Sommermonaten für viele immer wichtiger. Millionen sind für Betontreppen und Plattformen am Rheinufer verbaut worden, die Pflege der Vegetation wird jedoch vernachlässigt – und gefällte Bäume werden nicht durch neue Baumpflanzungen ersetzt. Man könnte eigentlich voraussetzen, dass das Kraftwerk mit dem Gemeinderat oder dem Bauamt Rücksprache nimmt, wie die Baum-Pflege zu erfolgen soll. Das ist jedoch nicht der Fall. Das Kraftwerk beauftragt kurzerhand in «eigener Kompetenz« die «Pflegearbeiten». Auch der Förster wird nicht beigezogen, obschon dieser eigentlich zu bestimmen hat, welche Bäume gefällt werden dürfen. Die Interessen der Naturschutzes und der Bevölkerung werden auf diese Weise mit Füssen getreten.
Es ist nun an der Zeit, dass die noch vorhandenen Bäume und die übrige Vegetation sorgfältiger gepflegt werden – und nicht der nächsten «Baumpflegaktion» zum Opfer fallen. Für jeden gefällten Baum hat mindestens ein neuer gepflanzt zu werden. Der Gemeinderat ist darum ersucht, mit dem Kraftwerk – unter Einbezug des Försters und der zuständigen kantonalen Behörden – einen Modus zu finden, wie und durch wen der Baumbestand und die übrige Vegetation in Zukunft gepflegt und geschützt werden. Der Rheinuferweg soll für Stein eine «Naherholungs-Oase» sein – und bleiben. Dazu gehören nicht nur die Betontreppen und Plattformen – sondern auch schattenspendende Bäume und eine gepflegtere Vegetation. Wenn schon Millionen für Beton verbaut worden sind, dürfte es für die Gemeinderechnung erträglich sein, einige zehntausend Franken für die Pflege der Vegetation am Rheinufer vorzusehen. Und das Ergebnis wären dann nicht nur plattgewalzte Wegränder – weil überdimensionierte «Pflege-Maschinen» eingesetzt worden sind.