Von Barbara Martens, Rheinfelden CH
Es begab sich zu der Zeit am zweiten Tages im Jahre 2023 des Herrn folgende wunderschöne und zugleich erschütternde Mär in einem deutschen Seniorenheim:
Vom Speisesaal aus winkend und herzlich lachend lockte mich eine Heimbewohnerin mit meinen beiden Hunden auf die abgesperrte Terrasse. Sie blickte rasch über ihre Schulter – ausser einer zweiten Dame niemand im Saal –, öffnete rasant die Terrassentür und ging freudestrahlend und säuselnd auf meine beiden Fellnasen zu. Ihr Rollator blieb drinnen. Beide Hunde liessen sich streicheln und selbst meine Hündin, die sonst bei Fremden aus Angst bellt, genoss die Zuwendung. Die Dame war glückselig und lachend mit den beiden vertieft und auch ich spürte im Innern ein Glücksgefühl, ihr diese «illegale» Wohltat zuteil werden zu lassen.
Nur 90 Sekunden Glückseligkeit auf diesem Fleckchen Erde sollten es werden. Und dann – zwei Pflegerinnen eilten auf die Dame zu, packten ihre Arme rechts und links und zerrten sie in den Speisesaal zu ihrem Rollator zurück. Ich konnte einer der «Aufseherinnen» gerade noch die Banane und Orange für meinen dort auch unter Freiheitsberaubung und Verlust seiner Eigenständigkeit lebenden Vater in die Hand drücken. Dann schloss sich laut die Tür. Wir Rebellinnen zwinkerten uns zu und winkten kurz zum Abschied.
90 Sekunden Glückseligkeit am Ende eines langen Lebensweges sollen es gewesen sein und das «illegal»? Erschütternd, wenn das FÜR-Sorge für Betagte bedeuten soll. Kein Zufall, dass mir an diesem Abend der Artikel von Jule Neigel in die Hände fiel: «Isoliert, vernachlässigt und zum Sterben so einfach abgelegt» https://uncutnews.ch/isoliert-vernachlaessigt-und-zum-sterben-so-einfach-abgelegt/
Mache sich doch bitte jedes aufgewachte und noch menschliche Wesen Gedanken und suche in seinem Innern, was dazu betrug, dass so etwas auf Erden Realität wurde und wird.