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"Was meinen Sie?", war die Frage, die Gemeindeammann Beat Käser den Steinern am Donnerstag zum Thema Gemeindefusion mit Sisseln stellte. Foto: Jörn Kerckhoff

«Willst du mit mir gehn?» - Versammlung in Stein zeigt Offenheit für eine Fusion mit Sisseln

«Ich hatte gar keine Erwartungen vor der Veranstaltung», erklärte Steins Gemeindeammann Beat Käser am Donnerstagabend im Anschluss an die Informationsveranstaltung zu einer möglichen Gemeindefusion mit der Gemeinde Sisseln. Er habe aber den Eindruck, dass es eine gute Veranstaltung gewesen sei, bei der viele Positionen geäussert wurden. Die Mehrheit der Anwesenden im Saalbau konnte sich offenbar mit dem Gedanken anfreunden, nach mehreren gescheiterten Versuchen – zuletzt wurde im Jahr 2015 das Fusionsprojekt «Mittleres Fricktal» von der Steiner Stimmbevölkerung abgelehnt – nun doch eine Fusion mit den Nachbarn aus Sisseln genauer zu untersuchen.
JÖRN KERCKHOFF

«Die Idee kam aus Sisseln, wir haben im Gemeinderat darüber beraten und heute Abend wird der Bevölkerung in beiden Gemeinden dieselbe Präsentation gezeigt», erklärte Beat Käser zu Beginn der Veranstaltung. Wichtig sei, dass es keinen Zeitdruck gebe, dass es aber sicher sinnvoll sei, die Zukunft rechtzeitig strategisch zu planen. Vor- und Nachteile einer Fusion – Einsparungen bei Infrastrukturprojekten einerseits, Verlust der Eigenständigkeit andererseits – lagen auf der Hand. Interessant war dagegen die Frage, warum die Gemeinden Eiken und Münchwilen – ebenfalls Anrainergemeinden des Sisslerfelds – nicht mit ins Boot geholt wurden, um eine mögliche Fusion zu erörtern. «In Sisseln und Stein begegnen wir uns auf Augenhöhe. Ausserdem ist es viel leichter, eine Fusion erstmal mit zwei Partnern zu vollziehen. Das Ziel ist es aber schon, dass in einem zweiten Schritt auch Eiken und Münchwilen dann dazustossen», erläuterte Käser das jetzige Vorgehen. Mit Augenhöhe war vor allem der Steuerfuss gemeint. In Stein liegt dieser bei 88 Prozent, in Sisseln gar nur bei 80 Prozent. In Eiken zahlt man dagegen 111 Prozent und in Münchwilen sogar 113 Prozent.

Scheitern der Feuerwehrfusion wirkt nach
Auch machte der Gemeindeammann keinen Hehl daraus, dass er vom Scheitern einer angestrebten Fusion der Feuerwehren immer noch sehr enttäuscht sei. An der Wintergmeind 2021 hatten sich die Stimmbürger in Eiken und Münchwilen gegen dieses Projekt ausgesprochen. «Das kostet uns zwei Millionen Franken in den nächsten zehn Jahren», machte Käser deutlich, was er von dem damaligen Entscheid hält. Aus der Versammlung kamen dennoch Stimmen, die sich dafür aussprachen, Eiken und Münchwilen bereits jetzt an den Gesprächen zu beteiligen. «Wenn es bei der Feuerwehr nicht geklappt hat, wie soll es dann mit einer Gemeindefusion funktionieren?», so Käser dazu, gleichzeitig immer wieder die Strategie der Gesamtfusion in zwei Schritten betonend. Es sei ihm allerdings bewusst, dass man in den beiden Gemeinden, die erstmal aussen vorgelassen werden, nicht sehr begeistert sei, von dem Vorstoss, den Stein und Sisseln jetzt unternehmen. Die Zusammenarbeit der vier Gemeinden werde aber dennoch fortgeführt, zeigte sich Käser überzeugt.

Nicht nur BefürworterEs gab zahlreiche Wortmeldungen in der Diskussion. Foto: Jörn Kerckhoff
Nicht jeder Anwesende äusserte sich positiv zu den Plänen: «Ich habe Verwandte in der Verwaltung in Sisseln, deswegen weiss ich, dass da die rechte Hand nicht weiss, was die linke tut. Und dem Gemeindeammann kann man kein Wort glauben», meldete sich eine Stimme zu Wort. «Ich kenne den Kollegen als jemanden, mit dem man sehr gut zusammenarbeiten kann», sprang Beat Käser seinem kritisierten Amtskollegen Rainer Schaub zur Seite. Andere Wortmeldungen gingen am eigentlichen Thema vorbei: «Wird eigentlich im Zuge der Entwicklung des Sisslerfelds an einem Verkehrskonzept gearbeitet?», lautete eine Frage. Ein anderer Teilnehmer wollte wissen: «Bringt sich der Kanton bei der Entwicklung des Sisslerfelds ein?» Nach etwas Rumoren in der Versammlung bei solchen Fragen fasste sich ein Anwesender ein Herz: «Das sind doch Fragen, die mit dem Thema der Fusion gar nichts zu tun haben. Der Verkehr kommt im Zuge der Errichtung der Mittelschule und der Entwicklung des Sisslerfelds, egal ob wir fusionieren oder nicht. Ich stelle den Antrag, dass wir beim Thema bleiben.» Dafür gab es grosse Zustimmung.

Auch nach der Versammlung gab es noch Redebadarf beim Apéro. Foto: Jörn KerckhoffViele Fragen offen

Zum Thema gehörte etwa die Frage: Gehören wir nach einer Fusion zum Bezirk Rheinfelden oder Laufenburg?» Beat Käser gab zu: «Das weiss ich heute auch noch nicht, das muss dann im Zuge der Verhandlungen abgeklärt werden. Es gab aber bereits Gemeindefusionen, die bezirksüberschreitend vollzogen wurden.» Thema war natürlich auch das Geld: «Müssen wir dann mitzahlen, wenn in Sisseln das Hallenbad saniert wird?», meldete sich eine Stimme. «Ja», lautete Beat Käsers Antwort. «Aber dafür zahlen die auch mit, wenn bei uns mal der Saalbau saniert werden muss.»
Beat Käser und seinen RatskollegInnen ging es an diesem Abend vor allem darum, die Stimmung in der Steiner Bevölkerung zum erneuten Versuch einer Gemeindefusion zu erfassen. Viele Anwesende äusserten sich positiv zu der Idee und Käser ist überzeugt: «Die Steiner Bevölkerung will mitschaffen, wenn der Entscheid für eine Fusion ausfällt.» Wie der Zeithorizont dafür aussehe, könne er noch nicht sagen. «Eventuell werden wir an der Gemeindeversammlung im Sommer über die Fortsetzung des Prozesses abstimmen lassen, vielleicht aber auch erst im Winter.»
«Gebt doch einen Zettel in alle Haushalte, auf dem die Leute dann ‘Ja, ich will’ oder Nein, ich will nicht’ ankreuzen können», kam es dazu aus der Versammlung. Ein bisschen, wie früher in der Schule, wenn man einen Zettel bekam mit der Frage: «Willst du mit mir gehen? Ja, Nein, Vielleicht – Zutreffendes bitte ankreuzen.» Ganz so einfach wird es mit der Fusion wohl nicht werden, aber Beat Käser sieht nach dem Donnerstagabend Potenzial bei dem Thema. Diskutiert wurde im Anschluss an die Versammlung noch beim Apéro.

Vorbericht zu den Fusionsplänen «Stein und Sisseln als eine Gemeinde? – Gemeinden wollen Puls der Bevölkerung fühlen» unter
https://www.fricktal.info/regionen/gemeinden/538-stein/179131-stein-und-sisseln-als-eine-gemeinde-gemeinden-wollen-puls-der-bevoelkerung-fuehlen.html

Bilder: "Was meinen Sie?", war die Frage, die Beat Käser den Steinern am Donnerstag zum Thema Gemeindefusion mit Sisseln stellte.
Es gab zahlreiche Wortmeldungen in der Diskussion.
Auch nach der Versammlung gab es noch Redebadarf beim Apéro. Fotos: Jörn Kerckhoff

Mehr zum Thema – Bericht zur Infoveranstaltung in Sisseln:
«Fusionsidee hat in Sisseln schweren Stand»