(vpod) Der Kanton Aargau weist für 2025 einen Überschuss von 345 Millionen Franken aus. Der VPOD Aargau/Solothurn fordert, diesen Spielraum gezielt zur Stabilisierung des Personals im Service public zu nutzen. Eine Politik, die Überschüsse erziele und gleichzeitig strukturelle Überlastung fortschreibe, sei weder nachhaltig noch wirtschaftlich vertretbar.
Der Kanton Aargau schliesst das Jahr 2025 mit einem Überschuss von 345 Millionen Franken ab. Auch bereinigt um ausserordentliche Effekte bleibt ein klar positives Ergebnis. Die finanzielle Lage ist damit solide. Entscheidend sei, welche Konsequenzen daraus gezogen würden, schreibt der VPOD. Der Regierungsrat verweise auf künftige Mehrbelastungen und Unsicherheiten. Das sei nachvollziehbar. Es beantworte jedoch nicht die zentrale Frage, weshalb bestehende strukturelle Probleme im Personalbereich weiterhin in Kauf genommen würden.
«345 Millionen Überschuss sind mehr als eine Zahl auf dem Papier. Sie sind ein Auftrag. Wer ihn nicht beim Personal ankommen lässt, setzt die falschen Prioritäten», sagt Dariyusch Pour Mohsen, Regionalleiter des VPOD Aargau/Solothurn.
Die Unterschreitung beim Personalaufwand sei in diesem Kontext nicht neutral. Sie stehe für nicht besetzte Stellen, steigende Arbeitsverdichtung und eine schleichende Verschiebung von Risiken auf die Mitarbeitenden. Was als Kostendisziplin erscheine, habe reale Folgen im Betrieb. Die Belastung nehme zu, die Spielräume im Alltag würden abnehmen. Gerade in Bereichen wie Gesundheit und Bildung sei diese Entwicklung nicht mehr erklärungsbedürftig, sondern sichtbar. Ein dauerhaft überlastetes Personal sei kein Effizienzgewinn, sondern ein strukturelles Risiko für Qualität, Verlässlichkeit und Kostenstabilität.
Ein Kanton, der Überschüsse erziele und gleichzeitig beim Personal spare, optimiere seine Rechnung, aber nicht sein System.
Der Hinweis auf ausserordentliche Einnahmen greife zu kurz. Entscheidend sei die Gesamtsituation. Und diese sei eindeutig: Die Mittel sind vorhanden. Die vollständige Zuweisung des Überschusses an die Ausgleichsreserve sei deshalb nicht nur Vorsicht, sondern eine klare Entscheidung gegen unmittelbare Entlastung im Personalbereich.
«Wer heute nicht in das Personal investiert, verschiebt die Rechnung. Bezahlt wird später, mit höheren Kosten und mit Qualitätseinbussen», sagt Dariyusch Pour Mohsen.
Der VPOD erwartet eine Kurskorrektur: ausreichende personelle Ressourcen zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben, eine Lohnentwicklung, die den tatsächlichen Anforderungen entspricht, sowie einen gezielten Einsatz von Überschüssen zur Behebung struktureller Defizite. Finanzielle Stabilität zeige sich nicht in der Höhe der Reserven, sondern in der Stabilität der Arbeitsbedingungen. Die Ausgangslage sei klar. Die Mittel seie da. Jetzt brauche es Entscheide, die dem Anspruch eines funktionierenden Service public gerecht würden.