(pd) Wo heute Uferverbauungen und eine Strasse die Reuss einengen, entsteht in den nächsten Jahren wieder eine Aue, wie sie für das Reusstal typisch war.
In Fischbach-Göslikon startet ein bedeutendes Naturschutz- und Aufwertungsprojekt: die Auenrenaturierung „Grien“ am Flusslauf der Reuss – realisiert von Pro Natura Aargau als Bauherrin gemeinsam mit Behörden und lokalen Partnern. Nach langjähriger Vorarbeit und behördlichen Verfahren ist die Bewilligung rechtskräftig; die Umsetzung ist für 2026 vorgesehen.
Kernstück ist ein neuer Seitenarm der Reuss (rund 200 Meter lang, 15–20 Meter breit), der die heute durch Uferverbauung und Uferstrasse stark eingeschränkte Auendynamik teilweise zurückbringt und neue Lebensräume für Fische, Amphibien und typische Auenarten schafft.
Ein Gewinn für Landschaft, Natur und Naherholung
Das Projektgebiet liegt im unteren Reusstal – in einer Landschaft, die für viele Menschen in der Region ein wichtiger Naherholungsraum ist – und mit dem Projekt nochmals deutlich an Qualität gewinnt. Heute verhindern Blocksteine/Betonelemente unddie nahe am Ufer verlaufende Strasse vielerorts die natürliche Entwicklung. Mit der Renaturierung werden auentypische Strukturen wiederhergestellt: dynamische Ufer, Flachwasserbereiche, Kies- und Rohbodenflächen sowie vernetzte Feuchtlebensräume. So entsteht ein abwechslungsreiches Auenmosaik, das das Landschaftsbild sichtbar aufwertet – und die Reuss als Natur- und Erlebnisraum stärkt. Gleichzeitig stärkt das Projekt die Vernetzung der umliegenden Lebensräume im Reusstal – als wichtiger Trittstein für Arten, die auf zusammenhängende Auenstrukturen angewiesen sind. Matthias Betsche, Geschäftsführer Pro Natura Aargau, erklärt: «Mit der Auenrenaturierung Grien entsteht an der Reuss wieder eine Landschaft, wie sie für das Reusstal typisch war: lebendig, vielfältig und voller Leben. Das ist ein Gewinn für die Natur – und für die Menschen in der Region: als attraktiver Naherholungsraum, als naturnaher Reussabschnitt und als wertvoller Lebensraum für viele seltene Arten.»
Was passiert im Gebiet «Grien»“?
Das Projekt umfasst insbesondere:
• Rückbau von rund 350 Metern Uferverbauungen
• Neuer Seitenarm als ganzjährig durchströmtes Nebengerinne (ca. 200 m / 15 bis 20 m), mit abwechslungsreichen Tief- und Flachwasserzonen.
• Gezielte, dezente Ufersicherung: In der oberen Hälfte sichern sechs Steinbuhnen das landseitige Ufer; gleichzeitig bleiben Abschnitte bewusst eigendynamisch.
• Lebensraum für Amphibien, Fische, Reptilien und auentypische Vogelarten.
Ulysses Witzig, Projektleiter der Auenrenaturierung, freut sich: «Das Grien wird ein zukünftiger Lebensraum der Nachtigall, deren jubelnder Gesang in der eindrücklichen Auenlandschaft für Wohlklänge sorgen wird. Eine heimliche Bewohnerin der neuen Aue wird die Ringelnatter sein, wer Glück hat, trifft sie beim Sonnenbad an oder bei der Jagd nach Fröschen».
Wichtig für die Bevölkerung: Die Sandbank bleibt erhalten
Die Sandbank unterhalb Fischbach-Göslikon ist ein beliebter Aufenthaltsort. Die Planung ist so ausgelegt, dass das Rückwasser – und damit die Sandbank – erhalten bleibt.
Zusammenarbeit und Unterstützung
Pro Natura Aargau arbeitet dabei mit Behörden und Partnern vor Ort zusammen. Das Projekt stärkt Natur, Landschaft, Naherholung und Lebensqualität im Reusstal – und ist ein Gewinn in der Region. Das Projekt konnte nach langjähriger Verzögerung realisiert werden, nachdem die Gemeinden Fischbach-Göslikon und Künten ihre Unterstützung bekräftigt hatten. Die kantonalen Behörden haben die notwendigen Bewilligungen erteilt, und wichtige Finanzierungspartner aus dem Bund, Kanton und Naturemade Star Fonds sichern Umsetzung und Betrieb ab. Die Kosten werden auf rund 2,15 Millionen Franken beziffert.
Zukunftsperspektiven
Im Unteren Reusstal zählen die Auen der Reuss ohne Staustellen zu den wertvollsten Landschaftselementen im mittleren Schweizer Mittelland. Die Renaturierung am «Grien» setzt neue Impulse für die ökologische Infrastruktur des Kantons und leistet einen Beitrag zu den nationalen Zielen für Gewässer und Biodiversität. Sie reiht sich ein in eine Reihe erfolgreicher Auenprojekte, die zeigen, wie durch Renaturierung Mehrwert für Mensch und Natur entsteht.
Bild: An der Reuss soll wieder eine Auenlandschaft entstehen.
Foto: zVg