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Die JUSO Aargau hat am 1. April vor mehreren Institutionen des zweiten Arbeitsmarktes demonstriert.

AG: Die JUSO Aargau fordert kantonalen Mindestlohn von 5000 Franken und kritisiert Ableismus

(juso) Im Rahmen ihres Anti-Ableismus-Projekts hat die JUSO Aargau am Mittwoch, 1. April, bei mehreren Institutionen des zweiten Arbeitsmarktes im Kanton Aargau mit der Botschaft «Ausbeutung ist nicht sozial» auf die unhaltbaren Arbeitsbedingungen von behinderten Menschen aufmerksam gemacht.

Die JUSO Aargau fordert einen kantonalen Mindestlohn von 5000 Franken für alle Arbeitnehmer, unabhängig davon, ob sie auf dem ersten oder zweiten Arbeitsmarkt tätig sind, sowie die Zusammenführung beider Arbeitsmärkte. Die Aktion fand vor drei Institutionen statt, die Arbeitsplätze auf dem zweiten Arbeitsmarkt anbieten. Diese sogenannten «Sozialunternehmen» stehen stellvertretend für ein System, das sich nach aussen als sozial präsentiert, in dem Betroffene aber häufig unter Bedingungen arbeiten, die so im 1. Arbeitsmarkt der Schweiz nie akzeptiert würden: Löhne weit unter dem Existenzminimum, Separation von nicht-behinderten Menschen und kaum Mitsprache bei der Gestaltung der eigenen Arbeitssituation.

Die JUSO Aargau richtet ihre Kritik ausdrücklich nicht gegen einzelne Betriebe, sondern gegen ein System, welches «behinderte Menschen systematisch vom regulären Arbeitsmarkt ausschliesst und ihre Arbeit entwertet», schreibt die JUSO und fährt fort: «Die Trennung zwischen erstem und zweitem Arbeitsmarkt zementiert Abhängigkeiten und verhindert eine gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben. Ausserdem ermöglichen die tiefen Löhne auf dem zweiten Arbeitsmarkt höhere Profite für Firmen, indem sie Arbeiten billig an Institutionen auf dem zweiten Arbeitsmarkt auslagern können. Wer Inklusion ernst meint, muss diese Strukturen grundlegend verändern.»

Im Vorfeld des 1. Mai, dem internationalen Tag der Arbeit, erinnert die JUSO Aargau daran, dass der Kampf für gerechte Arbeitsbedingungen nicht nur Menschen miteinschliesst, die auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen können. Meli Del Fabro, Co-Präsident und Projektvorstand Anti-Ableismus, meint: «Die Überausbeutung behinderter Menschen auf dem 2. Arbeitsmarkt ist nicht nur unmenschlich sondern eine Masche von Unternehmer – so können sie sich mit dieser ‹Billigarbeit› die Profite einstreichen und gleichzeitig noch ein ‹inklusives› Image pflegen. Ein absoluter Hohn!»

Die JUSO Aargau fordert deshalb:

– Einen kantonalen Mindestlohn von 5000 Franken für sämtliche Angestellte, auf dem ersten wie auf dem zweiten Arbeitsmarkt.

– Die Schaffung einer kantonalen Fachstelle für die Beratung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zur Verbesserung der Zugänglichkeit am Arbeitsplatz.

– Die Erweiterung der Aargauer Ombudsstelle für Menschen mit Behinderungen um den Zuständigkeitsbereich Arbeit, einschliesslich Firmen und Institutionen auf dem ersten und zweiten Arbeitsmarkt.

– Eine gesetzliche Pflicht für Unternehmen, Barrieren an Arbeitsplätzen abzubauen sowie diese zugänglicher zu gestalten.

– Die schrittweise Zusammenführung des ersten und zweiten Arbeitsmarktes zu einer gemeinsamen, bedürfnisorientierten Arbeitswelt.

– Die längerfristige und nachhaltige Abschaffung des kapitalistischen Arbeitsmarktes, welcher durch eine solidarische Wirtschaft ersetzt werden soll.

Die JUSO Aargau wird sich auch am 1. Mai für diese Forderungen einsetzen und ruft alle dazu auf, sich für eine inklusive Arbeitswelt zu engagieren.

Bild: Die JUSO Aargau hat am 1. April vor mehreren Institutionen des zweiten Arbeitsmarktes demonstriert.
Foto: zVg