(pd) Die Einführung des Gesamtarbeitsvertrags (GAV) am 1. Juli 2004 hat die Reinigungsbranche nachhaltig weiterentwickelt. Seit 20 Jahren sorgt der GAV für faire Arbeitsbedingungen.
Allpura, der Arbeitgeberverband der Gebäudedienstleistungsunternehmen der Deutschschweiz, setzt sich für gute Rahmenbedingungen ein, um den aktuellen Herausforderungen der Branche gerecht zu werden. Mit einem Marktvolumen von 4 Milliarden Franken und 80'000 Mitarbeitenden in rund 5000 Betrieben ist die Branche ein wichtiger Bestandteil der Schweizer Wirtschaft. Drei Viertel der Mitarbeitenden arbeiten bei Allpura-Mitgliedern.
Die Einführung des GAV 2004 war einen Meilenstein für die Reinigungsbranche. Nach intensiven Verhandlungen trat er 1. Juli 2004 in Kraft. «Er ist ein grosser Erfolg für alle Beteiligten», sagt Jürg Brechbühl, Präsident von Allpura: «Es gelang den Sozialpartnern, die Reihen zu schliessen und die unterschiedlichen Interessen für eine positive Entwicklung der Branche zu bündeln». Mit dem GAV konnten die Mindestlöhne weiterentwickelt und im Laufe der letzten 20 Jahre um 35 % angehoben werden. Die Mitarbeitenden haben zudem Anspruch auf einen 13. Monatslohn, Feiertagsentschädigungen, eine Krankentaggeldversicherung und 16 Wochen Mutterschaftsurlaub. «Gelebte Sozialpartnerschaft in der Reinigungsbranche ist ein Erfolgsmodell seit 20 Jahren, wir sind stolz auf das Erreichte», so Jürg Brechbühl.
Der GAV sorgt für faire Arbeitsbedingungen in einer Branche, die viele Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigt. Die Reinigungsbranche bietet in vielen Tätigkeitsbereichen eine grosse Anzahl von niederschwelligen Arbeiten. «Sie ermöglicht so vielen Menschen einen Einstieg in die Arbeitswelt und bietet ihnen Entwicklungsmöglichkeiten mit kostenlosen Fach- und Deutschkursen», erklärt Karin Funk, Geschäftsführerin von Allpura. Eine Erfolgsgeschichte ist der GAVLehrgang, der 2019 zum ersten Mal durchgeführt wurde. Der Abschluss des 80-stündigen Lehrganges berechtigt zu einem Franken mehr Stundenlohn und ist ein erster Schritt in eine weiterführende Ausbildung und Karriere. Mit ihren Angeboten leistet die Branche einen erheblichen Beitrag zur Integration der Menschen in die Gesellschaft.
Aus- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg
Gebäudedienstleistungen sind sehr gefragt und werden zunehmend anspruchsvoller. Da die Anforderungen an die Arbeit der Reinigungsprofis steigen, wurden Anpassung der formalen Ausbildung (Lehre, Berufsprüfung) nötig. Die neue Berufslehre EFZ zum Fachmann bzw. zur Fachfrau Reinigungstechnik (früher Gebäudereiniger/in) startet erstmals diesen Sommer. «Das allein löst unsere Herausforderungen noch nicht», sagt Karin Funk, da die Branche händeringend nach qualifizierten Mitarbeitenden sucht. Das Aus- und Weiterbildungsprogramm sowie interessante Karrieremöglichkeiten sollen die Branche attraktiver machen und helfen, die Stellen gut besetzen zu können. Auch die Nachholbildung nach Artikel 32 ist gefragt; sie ermöglicht es Erwachsenen ohne Berufsabschluss in der Schweiz, einen EFZ-Abschluss zu erlangen. «Das Engagement der Sozialpartner in Aus- und Weiterbildung lohnt sich, denn besser ausgebildete Mitarbeitende verdienen mehr und bleiben der Branche treu», so Karin Funk.
Herausforderungen: Mindestlöhne und Krankentaggeldversicherung
Aktuell beschäftigen die Branche auch die Mindestlohninitiativen und die Situation der Krankentaggeldversicherung. Allpura ist gegen die Einführung von Mindestlöhnen, weil dies eine Aufgabe der Sozialpartner ist. Mindestlohninitiativen seien nur dort sinnvoll, wo die Branchen keinen allgemeinverbindlichen GAV haben. Auch die Krankentaggeldversicherung, obwohl obligatorisch, wird für Firmen zunehmend zu einem Problem. Da die Versicherungen teilweise Verträge kündigen, stehen die Unternehmen vor der Tatsache, dass ihre Arbeitnehmenden nicht mehr versichert sind. «Eine neue Versicherungslösung zu finden, ist sehr schwierig», sagt Jürg Brechbühl. «Die Situation ist nicht nur in unserer Branche unbefriedigend und wir müssen sie angehen.»
Technologische Fortschritte und gesellschaftlicher Wandel als Chance
Die Gebäudedienstleistungsbranche steht vor bedeutenden Herausforderungen: Technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, Robotics und das Internet of Things (IoT) erfordern andere Kompetenzen in den Unternehmen und bieten gleichzeitig neue Chancen. Auch die Nachfrage nach umfassenden Dienstleistungen steigt. Allpura setzt sich auf allen Ebenen für gute Rahmenbedingungen für ihre Mitglieder ein. Zentrale Hebel sind dabei eine an die neuen Anforderungen im Berufsalltag angepasste Ausbildung, die Sicherstellung fairer Arbeitsbedingungen und eine funktionierende Sozialpartnerschaft.