(eing.) Patricia Buholzer begleitet seit zehn Jahren unentgeltlich Stellensuchende im Rahmen des Programms Tandem von benevol Aargau. Dank ihres Engagements als Mentorin begegnet sie immer wieder neuen Persönlichkeiten. 13 erwerbslosen Personen konnte sie in dieser Zeit helfen, wieder Mut für den Arbeitsmarkt zu fassen. Diese freiwilligen Einsätze haben die heute 61-jährige sogar dazu motiviert, mit 56 Jahren noch Psychologie zu studieren.
Seit elf Jahren unterstützt das Mentoring-Programm benevol Tandem Erwerbslose ab 40 auf ihrem Weg zu neuen beruflichen Perspektiven. Über 1000 Stellensuchende haben sich seither gemeldet: 75 Prozent der Teilnehmenden fanden eine Anschlusslösung, 60 Prozent sogar eine unbefristete Anstellung. Möglich gemacht haben dies 145 freiwillige Mentoren – erfahrene Berufsleute, die ihr Wissen und ihre Zeit unentgeltlich zur Verfügung stellen. Eine von ihnen ist Patricia Buholzer: Seit 2016 begleitet sie Stellensuchende, mittlerweile hat sie 13 Mentees auf ihrem Weg unterstützt.
Vom Inserat zum langjährigen Engagement
Vor zehn Jahren erfuhr Patricia Buholzer, dass viele Arbeitnehmende ab 50 Schwierigkeiten haben, eine neue Stelle zu finden – insbesondere, wenn die passende Ausbildung fehlte. Zur gleichen Zeit begegnete ihr ein Inserat des Programms benevol Tandem. «Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich meine privaten und beruflichen Wünsche und Ziele erreichen konnte und nach wie vor kann. Ich wollte andere Menschen mit meiner Erfahrung unterstützen», sagt Buholzer rückblickend. «Sicher hat auch meine Einstellung zum lebenslangen Lernen dazu beigetragen, dass ich mich als Freiwillige meldete.» Patricia Buholzer war in verschiedenen Leitungsfunktionen im Gesundheitsbereich tätig, hat unter anderem Recht studiert und verfügt über Ausbildungen in Wirtschaftsinformatik und Betriebsökonomie. Aktuell ist sie Geschäftsleitungsmitglied in einem Zentrum für Menschen mit Behinderungen.
An ihr erstes Tandem erinnert sich Patricia Buholzer noch genau: «Das war ein Mann in meinem Alter, der eine schwierige berufliche Zeit hinter sich hatte. Er hat tatsächlich während unseres Tandems seinen Traumjob gefunden und ist bis heute überglücklich in seinem Beruf. Und, was ganz grossartig ist: Er ist mittlerweile auch ein engagierter Mentor beim benevol Tandem!»
13 Tandems, viele Geschichten
Was Patricia Buholzer an ihrer Rolle besonders schätzt, ist der Austausch mit unterschiedlichsten Menschen und deren Themen – ein Austausch, der auch für sie selbst bereichernd ist und von dem sie immer wieder dazulernt. Sie sagt, viele Mentees würden das Tandem in einem Tief beginnen und im Verlauf der Begleitung wieder Mut fassen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr etwa ein Mentee, der kurz nach dem Tandem eine neue Stelle als Busfahrer antrat und die Linie zu ihrem Arbeitsort betreute. «Er besuchte mich in seiner Pause manchmal spontan.» Ein anderes Mentee habe sich in einer schwierigen Phase leider strafrechtlich etwas zu Schulden kommen lassen. Dank seiner Transparenz und sympathischen Art fiel die Zusammenarbeit leicht. Er habe nicht aufgegeben und schlussendlich eine erfüllende Stelle gefunden.
Nicht jedes Tandem verlief reibungslos: Drei Begleitungen habe sie vorzeitig beendet, weil die gegenseitigen Vorstellungen nicht zusammenpassten, erzählt sie offen. Und was hat sie selbst gelernt? «Jedes Mentee ist einzigartig und benötigt individuelle Unterstützung. Welche genau, gilt es jeweils herauszufinden. Wir erhalten bei benevol auch diverse fachliche Inputs, die uns in unserer Arbeit unterstützen. Hilfreich sind auch die Netzwerk-Treffen, die wir freiwillig besuchen können.»
Engagement mit Wirkung
Der Erfolg des Programms bestätigt sich auch in Patricia Buholzers persönlicher Erfahrung. Die meisten Mentees seien zu Beginn unsicher, würden im Verlauf der Begegnungen jedoch aktiver. Besonders spürbar werde die Veränderung, wenn es zu einem ersten Vorstellungsgespräch komme – und noch grösser, wenn die Nachricht eintreffe, dass eine Stelle gefunden wurde. «Auch wenn es nicht immer mit einer Anschlusslösung klappt; allein schon die Entwicklung der Mentees mitzuerleben, ist die Belohnung für mein Engagement.» Die Mentees erleben Patricia Buholzer als authentische Frohnatur. Unabhängig davon, ob es sich um Führungspersonen oder Lagermitarbeitende handelt, begegnet sie allen auf Augenhöhe.
Entscheidend für den Erfolg sei, dass die Mentees eine Person hätten, mit der sie offen über ihre Situation sprechen können – was im privaten Umfeld oft nicht möglich sei, so Patricia Buholzer. Dieser Austausch gebe ihnen Mut und das Selbstvertrauen, ihre Stärken und Erfahrungen zu erkennen und den Betrieben sichtbar zu machen.
Persönliche Bilanz nach zehn Jahren
Worauf ist Patricia Buholzer nach zehn Jahren besonders stolz? Dass sie Stellensuchende über 40 unterstützen kann und dadurch viele spannende Menschen begleiten durfte. Das Engagement habe auch ihr eigenes Leben geprägt: Mit rund 56 Jahren habe sie sich - unter anderem dank dieser Erfahrungen - motiviert gefühlt, ein Fernstudium in Psychologie zu absolvieren. Zum Mentoring-Programm sagt sie abschliessend: «Das benevol Tandem ist ein wertvolles Programm, welches Stellensuchende auf ihrem Weg unterstützt und den Mentoren eine sinnvolle und motivierende Aufgabe bietet. Man wird sehr gut in die Aufgabe eingeführt und unterstützt. Die Programmverantwortlichen sind da, wenn Bedarf besteht, ansonsten lassen sie mich selbständig arbeiten.» Menschen, die sich für ein freiwilliges Engagement interessieren, rät sie: «Einfach mal ausprobieren!»