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Stein und das Sisslerfeld: Findet hier ein Teil der nächsten Schweizer Landesausstellung statt? Foto: Sascha Roth

«Svizra 27» in Stein? Die nächste Landesausstellung könnte auch im Sisslerfeld stattfinden

(sr) Die letzte Landesausstellung «expo.02» fand im Jahr 2002 in der Region «Dreiseenland» statt. Der Monolith, der Blickfang im Murtensee, ist sicher vielen noch in bester Erinnerung. Daran erinnert die «Brückenpost», die Gemeindezeitschrift der Gemeinde Stein. «Jede Generation soll eine Landesausstellung erhalten, weshalb sich mehrere Projektinitiativen für eine zukünftige Ausstellung im oder – realistischer – nach dem Jahr 2027 in der Ausarbeitung befinden», heisst es da.

Eines dieser Projekte ist «Svizra27» des gleichnamigen Vereins. «Svizra» ist rätoromanisch und verkörpert damit bereits in der Namensgebung die Vielfalt der Schweiz. Die Ausstellung ist ein Vorhaben der Wirtschaft und der fünf Nordwestschweizer Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Jura und Solothurn. «Svizra27» zeigt die Schweiz an der Arbeit. Wie sie denkt, plant und ausführt. Wie sie Neues träumt und Altes bewahrt. Was sie beiträgt zur Geschichte und wie die Zeit an ihr arbeitet.
«Svizra27» ist in Politik und Wirtschaft breit abgestützt und inhaltlich bereits weit entwickelt. Das Co-Präsidium haben die alt Bundesrätin Doris Leuthard und Kurt Schmid, Ehrenpräsident des Aargauischen Gewerbeverbands, inne. Weitere bekannte Persönlichkeiten in den Projektgremien sind: Roland Brack (Inhaber brack.ch), Ständerat Thierry Burkhart (AG), alt Regierungsrat Urs Hofmann (AG), Nationalrätin Irène Kälin (AG), Nationalrat Christian Imark (SO), Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (BL), Bernhard Heusler (Ehrenpräsident FC Basel) und viele mehr. Xavier Bellprat unterstützt die künstlerische Leitung im Bereich der Szenografie. Bellprat ist eine sehr erfahrene Persönlichkeit in der Inszenierung von räumlichen Bildern. Er hat den Schweizer Pavillon an der Weltausstellung im Jahr 1986 in Vancouver und später den Pavillon de l’Energie an der «expo.02» konzipiert und gestaltet. Das Team um Xavier Bellprat hat an der «EXPO 2020» in Dubai für die Pavillons von Polen und der Schweiz die Gold-Medaillen in der jeweiligen Grössenkategorie erhalten.

Projektinhalt
«Svizra27» ist als grosses, experimentelles Spiel angelegt. Zehn Standorte in den fünf Nordwestschweizer Kantonen, welche innerhalb der Machbarkeitsstudie definiert und geprüft werden, stehen stellvertretend für die Raumtypologien Metropole, Städtenetz sowie Kleinstadt und Dorf im ländlichen Raum, basierend auf der Hauptthematik «Mensch – Arbeit – Zusammenhalt». Neun Raumzeitkapseln entlang der Flüsse Aare, Birs, Doubs, Limmat, Rhein und Reuss laden dazu ein, mögliche, hochverdichtete Zukünfte spielerisch zu entwickeln, erleben und danach ernsthaft zu bewerten. Ein Forum, welches als Raum der Reflexion, Diskussion und des Weiterdenkens dienen wird, bildet den Schwerpunkt von «Svizra27». Dort werden in philosophischen Kongressen, Workshops, Slam-Poetry-Wettbewerbe und DJ-Gigs Zukunftsfragen durchgespielt und verhandelt. Wie wollen wir zusammenleben? Wie wollen wir arbeiten? Ergebnisse sind die Kollektivszenarien, die laufend in den Raumzeitkapseln produziert werden und die durch einen wechselnden «Rat der Weisen» sowie ausgewählte Gruppen wie zum Beispiel Jugendliche oder Migrantinnen und Migranten ausgewertet und ins Forum eingespeist werden.
Der Lust- und Freudefaktor der Landesausstellung «Svizra27» ist wichtiger Bestandteil der vertieften Projektausarbeitung. Die verschiedenen Facetten der Nordwestschweiz sollen darin sichtbar und erlebbar werden. «Svizra27» ist eine Einladung an die Schweizer Bevölkerung, voller Überraschungen.

Partnerstädte und -­gemeinden
Die Raumzeitkapseln verteilen sich auf zehn Standorte in fünf Kantonen. Die Eignung der in Erwägung gezogenen Gebiete wird aktuell im Rahmen einer umfassenden Machbarkeitsstudie überprüft. Vorbehältlich der Erkenntnisse aus diesen Abklärungen werden im Forum in Basel (BS) die in den Aussenstandorten entwickelten Ergebnisse zusammengeführt. Welche Standorte innerhalb der Machbarkeitsstudie konzeptionell verfolgt und aktuell geprüft werden, wird im Mai/Juni 2023 präsentiert. Die Gemeinde Stein gehört zu den möglichen Standorten im Kanton Aargau.

Eine Raumzeitkapsel für das Fricktal?
Im vergangenen Jahr hat die künstlerische Leitung der «Svizra27» den Vertreterinnen und Vertretern der SisslerfeldGemeinden das Projekt vorgestellt und den gewünschten Einbezug der Gemeinde Stein und des Sisslerfelds aufgezeigt.
Am Standort Stein werden mitunter die folgenden Vorteile erkannt:
- Mit dem Bahnhof Stein-Säckingen steht ein leistungsfähiger Anschluss an das nationale Bahnnetz zur Verfügung
- Infrastruktur starke Gemeinde mit kurzen Wegen
- Grenzüberschreitende Kooperationsmöglichkeit durch die Nähe zu Bad Säckingen (Altstadt mit Zugang zum deutschen Bahnnetz ist in Gehweite)
- Infrastrukturen der Grossindustrie
(Life Sciences)
- Grosse Landwirtschaftsflächen
- Nähe zum Rhein (Einbindung der
Gewässer in den Ausstellungsraum)
Der Steiner Gemeinderat hat sich zu einer Zusammenarbeit mit dem Verein «Svizra27» entschlossen und unterstützt dessen Bewerbung für eine nächste Landesausstellung in der Region. Wo sich das Expo-Gelände am Standort Stein bzw. im Sisslerfeld allenfalls befinden wird, ist noch nicht abschliessend festgelegt. Ideen sind vorhanden und die ersten Abklärungen sind erfolgt. Denkbar ist, dass neben der Umnutzung von bestehenden räumlichen Infrastrukturen auch Neubauten und Provisorien geschaffen werden. Die Nachhaltigkeit spielt in jedem Fall eine wichtige Rolle. Anders als bei der «expo.02», bei welcher nahezu alle geschaffenen Attraktionen zurückgebaut wurden, ist es möglich, dass Einrichtungen über die zukünftige Landesausstellung, welche ein halbes Jahr dauern wird, der Region zur zweckmässigen Weiternutzung erhalten bleiben. Dass dabei auch ein Blick auf die Planungen und Massnahmen im dynamischen Entwicklungsschwerpunkt Sisslerfeld geworfen wird, liegt auf der Hand. Die Nutzung von Synergien wird angestrebt.
Der in Stein angedachte Themen- schwerpunkt «Ernährung» lässt viel Spielraum für Diskussionen und Visionen zu:
- Welche Veränderungen bei den Essgewohnheiten bringt die Zukunft?
- Was wäre, wenn wir komplett auf pflanzliche Ernährung umstellen würden?
- Wie schaffen wir eine Effizienzsteigerung bei den nachhaltigen Produktionsmethoden?
- Wie werden nachhaltige und klimaresistente Pflanzensorten entwickelt?
- Wie sieht der Bauernhof der Zukunft aus?
- Wie entwickelt sich die Berufswelt im Primärsektor?
- Wie gestalten wir zukünftig die (Kultur-) Landschaft?
- Wie bekämpfen wir das Phänomen der Lebensmittelverschwendung (Food Waste)?
- Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Ernährung und Klimawandel?

Bild: Stein und das Sisslerfeld: Findet hier ein Teil der nächsten Schweizer Landesausstellung statt? Foto: Sascha Roth