(pd) «Der Lerninhalt rund um Ökologie und Wildbienen beeindruckten mich so sehr, dass ich die Umgebung rund um meinen Bienenstand in ein Insektenparadies umgestaltet habe», so eine frisch diplomierte Imkerin mit eidgenössischen Fachausweis an der Abschlussfeier im Bildungszentrum Wald in Lyss. Am Samstag, 19. August, erhielten 25 Absolventinnen und Absolventen des staatlich anerkannten Lehrgangs «Imker/-in mit eidgenössischem Fachausweis» ihr Diplom, unter ihnen Patrick Grossmann aus Sisseln.
Die meisten der Diplomierten starten den Kurs im Jahr 2019, einige auch schon früher. Der Unterricht wird sowohl in der Deutschschweiz wie auch in der Romandie angeboten. Pro Jahrgang besuchen rund 50 bis 60 Teilnehmende die Ausbildung. «Das zeitliche Engagement für diese umfassende Berufsausbildung ist nicht zu unterschätzen», erklärt Hanspeter Gerber, die total 27 Ausbildungstage, aufgeteilt auf 5 Module. «Zusätzlich zum Besuch aller Module sind rund weitere 70 Tage für das Selbststudium sowie das Verfassen von vier Leistungsausweisen und der Diplomarbeit einzuplanen. Da kann es schon passieren, dass die Teilnehmenden neben dem beruflichen Engagement, den familiären Verpflichtungen und der Betreuung der eigenen Bienenvölker an ihre Grenzen kommen und die Ausbildung abbrechen, respektive die Abschlussarbeit um ein Jahr verschieben.»
Selbstsicherheit in der Imkerpraxis gewonnen
Die Teilnehmenden lobten die vielfältige Ausbildung: So betonte Katja Schobert, Absolventin aus Gümmenen (BE), dass sie sich nun selbstsicherer in ihrer Imkerpraxis fühle, ihre Bienenvölker naturnaher führe und trotzdem stärkere Bienenvölker und höhere Honigerträge habe. «Der Fachausweis bietet so viele Möglichkeiten, die Imkerpraxis zu verbessern, dass man selber mit seinen Tieren nachher wesentlich besser dasteht und selbstsicherer imkert», so die Absolventin Elisabeth Orglmeister aus Flüelen (UR). Die Teilnehmenden bezeichneten auch den Austausch untereinander als sehr bereichernd: «Der Kurs, die vielseitige Ausbildung, ist das eine, das andere sind die Gespräche mit den anderen Imkerinnen und Imkern, die zwar alle das gleiche Hobby haben, aber von ganz unterschiedlichen Regionen kommen und verschiedene berufliche Hintergründe haben – das machte das ganze sehr spannend und wertvoll», meinte Bernhard Kunz aus Mesikon im Kanton Zürich.
Botschafterinnen und Botschafter für die Bienen
Für Mathias Götti Limacher und Vittorio Quarta, Schulleiter der deutsch- bzw. französischsprachigen Schweiz, ist wichtig, dass sich die Diplomandinnen und Diplomanden auch als Botschafterinnen und Botschafter für die Bienen wahrnehmen und so in Zukunft in den Imkervereinen und der Öffentlichkeit viel Gutes bewirken. Durch die Ausbildung haben sie ihr Fachwissen vertieft und komplexe, schwierige Fragestellung miteinander diskutiert – dies sei vor allem im letzten Modul rund um die Bienengesundheit klar zum Vorschein gekommen. Die kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen rund um die Imkerpraxis ist auch im Anschluss an den Fachausweis essenziell: Seit zwei Jahren gibt es nun eine Alumni-Organisation für Imkerinnen und Imker mit eidgenössischem Fachausweis. Ziele dieses Netzwerkes sind unter anderem die Förderung des fachlichen Austausches und die Organisation von Weiterbildungen.
Der im Jahr 2014 neu lancierte Weiterbildungslehrgang stösst auf reges Interesse bei der Imkerschaft: Seit 2015 startet pro Jahr eine deutsche Doppelklasse mit total 48 Teilnehmenden. Seit 2016 wird die Weiterbildung auch in der Romandie angeboten. Aktuell besuchen schweizweit insgesamt rund 250 Teilnehmende die Ausbildung.
Voraussetzung für den Besuch der Weiterbildung ist eine Berufslehre oder eine vergleichbare Ausbildung, der Abschluss eines zweijährigen Imker-Grundkurses, der jeweils von Kantonalverbänden durchgeführt wird, sowie mindesten drei Jahre praktische Erfahrung in der Haltung von eigenen Bienenvölkern. Der Lehrgang umfasst 27 Tage, verteilt auf vier Jahre und gliedert sich in 5 Module: Leben der Bienen und ihr Umfeld; Bienenhaltung; Bienenprodukte; Volkserneuerung; Bienengesundheit. Das Qualifikationsverfahren verlangt nach jedem Modul einen schriftlichen Leistungsnachweis und eine abschliessende Diplomarbeit.