(rd) Einen Blick hinter die Kulissen des Bundeshauses konnte eine kleine Delegation der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) Rheinfelden werfen.
Es war eine charmante Mischung aus Staatskunde, kurzweiligem Geschichtsunterricht und humorvollem Einblick in politische Abläufe: Nationalrat Erich Vontobel nahm sich Ende August drei Stunden Zeit, eine kleine Delegation der FEG Rheinfelden durchs Bundeshaus zu führen.
Es sei zwar sessionsfreie Zeit. Das bedeute jedoch keineswegs, dass untätig geblieben werde. Vontobel wies augenzwinkernd auf die Anzeigetafel im Eingangsbereich hin. Die Sitzungszimmer seien gut ausgelastet und diverse Kommissionen tagten. Die sessionsfreie Zeit habe allerdings ihren Reiz, so Vontobel verschmitzt: «Man kann es sich ein wenig vorstellen wie im Zoo – die Tiere sind alle weg.» So biete sich die seltene Gelegenheit, die kleine und grosse Kammer zu betreten und einmal auf den Sesseln der Parlamentarier selbst Platz zu nehmen.
Ein bewegender Höhepunkt der Führung durchs Bundeshaus war die Begegnung mit der israelischen Botschafterin in der Schweiz, Frau Ifat Reshef, die Vontobel durch seine Arbeit in der Aussenpolitischen Kommission gut kennt. Nach einer kurzweiligen Einführung in den Alltag als Botschafterin kam sie auf die aktuelle Lage im Nahen Osten zu sprechen. Es sei kaum möglich, zu erklären, was einen Krieg rechtfertige, sagte Reshef, die mit ihrer bescheidenen, aber beeindruckenden Präsenz schilderte, wie sie den 7. Oktober erlebt hatte – den Tag, an dem Terrorkommandos der islamistischen Hamas grausame Angriffe auf die Zivilbevölkerung in Israel verübten und mehr als 240 Menschen entführten. 108 davon werden aktuell noch in den Tunnelsystemen der Hamas als Geiseln gehalten. Jeden Morgen, wenn sie ihr Mail öffne, sehe sie die Gesichter der vielen jungen Männer und Frauen, die in diesem Konflikt ihr Leben verloren haben. Der zunehmende Antisemitismus bereite ihr grosse Sorgen. Israel treibe nicht die Lust am Krieg, betonte sie, sondern der tiefe Wunsch nach einem dauerhaften Frieden mit dem palästinensischen Volk. Man habe die herausfordernde Aufgabe, bei dem Kampf gegen die Hamas, nicht nur die eigene Bevölkerung zu schützen, sondern auch die palästinensische. Man nimmt es der elegant gekleideten Frau ab und spürt, dass sie es sich nicht ausgesucht hat, ihr Land in diesen schweren Zeiten zu vertreten. Noch ein Jahr, dann werde sie turnusgemäss nach Jerusalem zurückkehren.
Beim Mittagessen in der Kantine – «die hier nicht einfach Kantine heisst, sondern etwas vornehmer ‹Galerie des Alpes›», wie Vontobel mit einem Lächeln erklärte, schloss der Bundeshaus-Besuch. Mit der Ermutigung, Demokratie zu leben und an die Urne zu gehen, verabschiedete Vontobel die sichtlich beeindruckten Bundeshaus-Touristen.