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 Kunst aus dem Koffer in Rheinfelden. Foto: zVg

«Kunst aus dem Koffer»: Ausstellung im «Drei Könige» in Rheinfelden

Die Integrationsfachstelle «mit.dabei-Fricktal» organisierte anlässlich der Flüchtlingstage eine Kunstausstellung. Damit schaffte sie eine Plattform für Begegnung und Austausch. Rund 200 Personen besuchten an diesen sechs Tagen das Begegnungszentrum Drei Könige in Rheinfelden.

KUJTIM SHABANI

Kunst ganz und gar: Malerei, Fotografie, Musik, Poesie; Erzählen, Kochen, Gestalten; Moderation, Darstellung, Gesprächsführung und Ritual – das war die Ausstellung «Kunst aus dem Koffer» in Rheinfelden. Damit wollte die Integrationsfachstelle «mit.dabei-Fricktal» vom 15. bis zum 20. Juni den Nationalen Flüchtlingstag, den Flüchtlingstag der Kirchen und den Weltflüchtlingstag würdigen. Das ehemalige Hotel Drei Könige wurde für sechs Tage lang zur Herberge wertvoller Kunstwerke und zur Gaststätte für Kunstliebhaber, Interessierte am Kulturleben und Interessierte am Geschehen im Migrations- und Integrationsbereich.

Am Anfang war der Koffer
Den Auftakt zur Ausstellung gab die Bereichsleiterin der Integrationsfachstelle «mit.dabei-Fricktal», Aurelia Munz. Bald trat Beat Näf, Professor an der Universität Zürich, mit einem Koffer auf, einem Fluchtsymbol schlechthin, das zum Sinnbild der Ausstellung wurde. Professor Näf engagiert sich unermüdlich freiwillig für die Integration der Migrantinnen und Migranten. Er hat eng mit «mit.dabei-Fricktal» an der Konzeption und Umsetzung der Ausstellung zusammengearbeitet. Ohne zu zögern sagte er «Ja!» auf die Anfrage der Fricktaler Integrationsstelle. Der Titel der Ausstellung «Kunst aus dem Koffer» stammt von ihm.
Jeden Abend bot Professor Näf eine geistreiche und unterhaltsame Einführung. Jeden Abend stellte er einen der teilnehmenden Kunstschaffenden vor. Viel Wissen über ihre Länder und die Kunst floss in seine Einführungen ein. Hintergrundinformationen über die Kunstschaffenden wurden geliefert. In seinen Einführungen baute Professor Näf freie Gespräche mit ihnen ein, die zu einer besseren Einordnung ihrer Werke beitrugen. Als Historiker konnte er es nicht versäumen, von der glorreichen Geschichte des Hotel Drei Könige zu erzählen.

Kunst als Profession und als Passion
Drei Künstlerinnen und Künstler aus dem Flüchtlingsbereich hatten sich ursprünglich bereit erklärt, ihre Werke an der Ausstellung «Kunst aus dem Koffer» zu präsentieren. Bald stieg eine vierte Künstlerin ein, und dann stiess noch eine fünfte dazu.
Die präsentierten Künstlerinnen und Künstler stammen aus unterschiedlichen Ländern. Gemeinsam ist ihnen die Fluchterfahrung bzw. der Migrationshintergrund, aber vor allem die Kunstbestimmung. Für Raja Dibeh, Künstler aus Syrien, war die Ausstellung «Kunst aus dem Koffer» nicht sein erster Auftritt. Er hat an elf Ausstellungen in der Schweiz teilgenommen. Maryna Bieliaieva hat Anglistik und Psychologie in Cherson, Ukraine, studiert. Die Malerei ist ihre grosse Leidenschaft. Im Kontext der Ausstellung im Drei Könige versteht sie sich «in erster Linie als Malerin». Yunus Gürbey, Kurde aus der Türkei, hat keinen künstlerischen Hintergrund. Er präsentierte eindrucksvolle, mit einem Handy eingefangene Momente aus seiner Heimat und seinem neuen Zuhause Stein. Die Malerei ist auch für Malay Häuselmann eine Passion. Obendrein zeigte sie ebenfalls Motive aus ihrer Heimat Myanmar und aus der Schweiz, aber auch universelle Inspirationen. Oksana Bila aus der Ukraine ist eine Debütantin in Malerei. Sie konnte nicht persönlich an der Ausstellung teilnehmen. Ihre Werke kamen dennoch sehr gut an.
Die Flüchtlingstage 2024 sollten schliesslich an die Verletzlichkeit von Kindern auf der Flucht erinnern. Am Nachmittag des 19. Juni durften Flüchtlingskinder, die in Drei Könige Deutschunterricht besuchen, ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Ihre Zeichnungen wurden dann am Abend – die Ausstellung fand jeden Tag von 18.30 bis 20.30 Uhr statt – dem Publikum präsentiert.

Mehr als Malerei
Jeden Abend wurde ein passendes Schweizer Gedicht zum Werk des präsentierten Kunstschaffenden gelesen. Am ersten Tag begrüsste die Anwesenden Cornelia Masciadri. Sie rezitierte das Gedicht «Chiasso» von ihrem verstorbenen Bruder und Dichter Virgilio Masciadri. Am zweiten Tag trat der bekannte Organist Roman Stahl auf. Er berichtete von seinem Migrationshintergrund und spielte einige Stücke auf seinem «Koffer-Orgel». Mit ihrem Repertoire auf dem Klavier sorgte an den restlichen Tagen der Ausstellung die Ukrainerin Alex Bieljavskaya für eine angenehme Atmosphäre.
Die Integrationsfachstelle «mit.dabei-Fricktal» hatte sich um ein Vernissage und um ein Finissage gekümmert. Am letzten Tag lieferten die Freiwilligen von Drei Könige, die im Rahmen eines noch von «mit.dabei-Fricktal» unterstützten Projekts, einmal pro Woche für die Flüchtlingskinder kochen, ein kulinarisches Feuerwerk. Markus Schröder vom Begegnungszentrum Drei Könige hat einen wertvollen Beitrag zum Gelingen der Ausstellung geleistet. An ihrem Präsentationstag lud das Paar Malay und Ernst Häuselmann zu Köstlichkeiten aus Myanmar ein.

Am Schluss waren die Ballone
Am letzten Tag begrüsste Flavia Berger von «mit.dabei-Fricktal» die zahlreichen Besucher. Sie dankte allen, die sich für die Ausstellung eingesetzt haben. «Kunst aus dem Koffer» wurde auch vom Kirchlich Regionalen Sozialdienst unterstützt, einem Netzwerkpartner der Integrationsstelle. Der KRSD veranstaltete drei Gottesdienste zum Flüchtlingstag in der Katholischen Kirche Frick bzw. Oeschgen. Zum Erfolg der Ausstellung «Kunst aus dem Koffer» hat wesentlich das Atelier «Arte Bürsti» in Oberentfelden beigetragen. Es stellte 20 Staffeleien für die Ausstellung – kostenlos – zur Verfügung.
Rund 200 Personen haben die Ausstellung in Drei Könige besucht und die Kunstwerke bewundert. Viele positive Rückmeldungen haben die Veranstalter für die gelungene Ausstellung erhalten. Für Dominik Burkhardt, Stadtrat Rheinfelden, Ressort Soziales und Gesundheit, war die Ausstellung «interessant, horizonterweiternd, unterhaltsam und herzerwärmend.»
Am Ende jeden Tages liessen Besucher, Künstler und Organisatoren gemeinsam ein Bündel bunter Ballone in die Luft fliegen. Das war das tägliche Ritual in der Ausstellung. Erst recht am letzten Tag war es ein Spektakel! Es ist das Sinnbild der Integrationsfachstelle «mit.dabei-Fricktal», deren Motto lautet: «Zusammenleben, teilnehmen, sich engagieren – gemeinsam gestalten wir das Fricktal!»

Bild: Kunst aus dem Koffer in Rheinfelden. Foto: zVg