Am Sonntag, 4. Februar trug das Orchester beider Rheinfelden (OVR) im Musiksaal Kurbrunnen sein Programm «Winterträume» vor. Es kreierte Szenen auf Schlittschuhen und Schlitten, in Gold und Silber, am Kamin, im Nebel, im Wintersturm. Es war Programmmusik im allerbesten Sinn.
JUTTA WURM-FISCHER
«Beseelt» träfe es vielleicht am besten, wenn man versucht den Nachklang des Konzerts des OVR in ein einziges Wort zu packen.
Die Schönheit und Vielfalt der Melodien in diesem Konzert waren eindrücklich.
Auf dem Programm standen nicht die ganz berühmten Komponisten, stattdessen Joachim Raff und Julius Fucik, die nicht häufig gespielt werden. Das kann man dem 24-seitigen Programmheft entnehmen, das die Besucher mit umfassenden Informationen über Komponisten, Ensemble und Sponsoren versorgt.
Winter und Walzer
Was alle Werke verband, war das winterliche Thema und der Walzertakt. Beginnend mit Emile Waldteufels «Les Patineurs», dessen Melodien wohl populärer sind als der Name ihres Schöpfers.
Tatsächlich ist das Konzert Programmmusik im besten Sinn: Jedes der Stücke rief bei eingen Besucherinnen und Besuchern Bilder hervor und liess eine eigene Atmosphäre entstehen. Von Leopold Mozarts «Schlittenfahrt» wurde man sofort in eine andere Zeit transportiert.
Clara Kost führt das Orchester mit sicherer Hand durch alle Rhythmus- und Tempowechsel, die es reichlich gab – zum Beispiel in Lehars populärem Walzer «Gold und Silber». Eindrücklich, mit welcher Präsenz und Präzision die junge Dirigentin kommuniziert. Sie entlockt dem Orchester immer wieder feine, leise Töne und dann wieder einen satten Gesamtklang. Es spielte musikalisch und lebendig, vermittelte die verschiedenen Stimmungen, etwa als in Lehars abwechslungsreichem Walzer nach den Beckenschlägen ein grosser seelenvoller Melodiebogen einsetzte und von den Streichern gerade so gespielt wird: In genussvollem Legato und mit ganz viel Seele.
Ein dreiviertel Jahr hat das Orchester auf dieses Konzert hingearbeitet. Das Programm wurde von Clara Kost und Konzertmeisterin Ursula Schnepp zusammengestellt. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es unterhaltsam ist, die Aufmerksamkeit auf weniger bekannte Komponisten lenkt, die Mitglieder des Orchesters musikalisch und technisch herausfordert und die Zuhörenden verzaubert.
Im Land der Nebel
Schlagzeuger und Blechbläser wurden in Ergänzung zum bestehenden Ensemble engagiert. Auch Eline Rowaert, die Harfe studiert zu Beginn des Blumenwalzers brillierte.
Mithilfe der «Zuzüger» wurde es möglich, dieses Programm zu realisieren und zum Beispiel Tschaikovskys «Im Land der Nebel» zu spielen. In diesem Sinfonie-Satz spielten die Hörner auf kraftvolle Weise und jenseits des Dreivierteltakts das Thema, das vorher schon mehrfach erklungen war. Anschliessend wurde der Walzerrhythmus wieder aufgenommen mit dem Blumenwalzer aus der Nussknackersuite. Spätestens dieser hob die Zuhörenden, wie es sich für Walzer gehört, in andere Sphären.
Zum Schluss trug das Orchester die «Winterstürme» des tschechischen Komponisten Julius Fucik vor. Sie führten das Publikum gleichsam zurück auf die Erde. Und hier auf Erden sei – nicht ohne Humor – hingewiesen auf die Zukunft des Orchestervereins Rheinfelden, wie sie dessen Präsident Carlo Habich in seiner launigen Begrüssung skizzierte: In Zukunft werde das Orchester international tätig sein und Konzerte auch auf der anderen Seite des Rheins geben! Die Daten stehen schon fest: Am 17. und 30. November 2024 finden die Herbstkonzerte des OVR unter dem Titel «Very British» statt.