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«Sinnvolle Prüfungsrückgabe» – Eltern-IG hat in Möhlin Petition eingereicht

(fi) Die IG «Sinnvolle Prüfungsrückgabe» hat heute Morgen ihre Petition «Rückkehr zur wöchentlichen Rückgabe absolvierter Prüfungen» mit insgesamt 315 Unterschriften bei der Gemeindekanzlei in Möhlin eingereicht. Seit Schuljahresbeginn schwelt an den Primarschulen in Möhlin ein Konflikt zwischen den Schulleitungen und einigen engagierten Eltern. Da die IG für ihr Anliegen weder bei den Schulleitungen noch beim zuständigen Gemeinderat ein offenes Ohr gefunden hat, hat sie die nun eingereichte Petition lanciert. Nachfolgend das Begleitschreiben der IG an den Gesamtgemeinderat Möhlin, in welchem die IG Ihre Beweggründe und Anliegen detailliert erläutert:

«Da wir für unser Anliegen einer vernünftigen, regelmässigen Prüfungsrückgabe weder bei den jeweiligen Primarschulleitungen noch dem zuständigen Gemeinderat ein offenes Ohr gefunden haben, wenden wir uns nun direkt an den Gesamtgemeinderat. Wir, die Eltern der Interessengemeinschaft ‹Sinnvolle Prüfungsrückgabe›, sind der Meinung, dass die derzeitige Regelung aus pädagogischer Sicht unhaltbar und intransparent ist. Zudem werden dadurch engagierte und am Lern- und Schulerfolg ihrer Kinder interessierte Eltern ausgegrenzt. Eine optimale, individuell angepasste Unterstützung und Begleitung der SchülerInnen wird durch die aktuelle Prüfungsrückgabekadenz unnötig erschwert oder gar verhindert.
Mit den insgesamt rund 315 Unterschriften der beiliegenden Petitionsbögen möchten wir aufzeigen, dass dieses Anliegen nicht nur von einer kleinen Gruppe mitgetragen wird, sondern dass viele Eltern und Bürgerinnen und Bürger von Möhlin diese Neuregelung nicht verstehen und nachvollziehen können und damit eine andere Lösung wünschen.

Ausgangslage:
Für das Schuljahr 2022/23 haben die Schulleitungen der Primarschulen Möhlin beschlossen, die verschiedenen Prüfungen der SchülerInnen nicht mehr wie bisher wöchentlich, sondern nur noch vor den jeweiligen Schulferien, gesammelt als Beurteilungsdossier, den Eltern zur Ansicht und Unterschrift zurückzugeben.
Dies hatte zur Folge, dass die Eltern die Prüfungen ihrer Kinder erst nach rund 8 (vor den Herbstferien) respektive erst nach 12 Schulwochen (vor den Weihnachtsferien) zur Ansicht erhalten haben.
Bereits während den entsprechenden Informationsanlässen im August 2022 gab es heftige Diskussionen und verschiedenste Wortmeldungen gegen die Einführung dieser neuen Rückgaberegelung. Die anwesenden Schulleitungspersonen redeten die Kritik und die zahlreichen Bedenken gegen diese Neuregelung der Prüfungsrückgabe klein und verlangten, dass man sich auf diese Neuregelung einlassen und grundsätzlich der Schule vertrauen sollte.
Auch nach den Informationsveranstaltungen gingen die Diskussionen einerseits zwischen Eltern und Schulleitungen, aber auch zwischen Eltern und Lehrpersonen weiter. In vielen dieser Gespräche äusserten sich auch einige Lehrpersonen sehr kritisch gegenüber dieser Neuregelung, berichteten aber, dass die Kritik schulintern nicht gehört werden wolle. Es war auch nicht möglich, individuelle Regelungen mit den jeweiligen Klassenlehrpersonen zu vereinbaren. Dies wurde den Lehrpersonen seitens der Schulleitung explizit untersagt.
Im Januar 2023 informierten die Primarschulleitungen darüber, dass im 2. Semester die Abgabekadenz des Beurteilungsdossiers um zwei zusätzliche Termine (Pfingsten und Sportferien) erhöht werden solle. Dies als Resultat einer schulinternen Zwischenevaluation gemeinsam mit den Lehrpersonen und (gemäss eigenen Aussagen) unter Einbezug der Elternrückmeldungen. Eine eigentliche Evaluation mit Umfrage bei den Eltern und/oder SchülerInnen wurde nicht durchgeführt. Diese Anpassung hat nun für das 2. Semester zur Folge, dass die Eltern die Prüfungen ihrer Kinder wiederum erst nach rund 5 Schulwochen (vor den Sport- und Frühlingsferien sowie vor Pfingsten) zur Ansicht erhalten werden.

Kritikpunkte an der aktuellen Prüfungsrückgabekadenz:
Wöchentliche Prüfungsrückgaben fördern nachweislich das Lernen und den Lernprozess der Kinder. Die allgemeine Prüfungsbesprechung innerhalb der Klasse ist für viele SchülerInnen überfordernd und leider nicht ausreichend. Die Lehrpersonen haben nicht die Möglichkeit mit jedem Kind die Prüfung individuell zu besprechen. Die Prüfungen werden kurz im Klassenverband besprochen, aber es wird nicht genauer auf die individuellen Fehler eingegangen. Auch werden Prüfungen selten bis nie verbessert, obwohl dies (gemäss Aussage der Schulleitung) in der Verantwortung der jeweiligen Lehrperson liegen würde.
Ohne elterliche Unterstützung fällt es vielen SchülerInnen schwer, ihre Fehler nachzuvollziehen und entsprechende Korrekturen für ihr weiteres Lernen vorzunehmen. Indem sie aber genau verstehen, wo sie falsch gelegen haben, können sie besser nachvollziehen, was sie beim nächsten Mal besser machen können. Werden Prüfungen aber erst nach Wochen retourniert, sind Gespräche über diese Lernprozesse nur noch schwierig möglich und ein Lerneffekt bleibt aus.
Grundsätzlich sind Ferien sicherlich auch nicht dazu da, um mehrere Prüfungen zu besprechen oder zu kontrollieren, noch um eventuelle Lerndefizite aufzuarbeiten. Die SchülerInnen und die Eltern haben ein Recht auf Ferien und sollen diese auch geniessen können und nicht mit dem Aufarbeiten von Lerninhalten verbringen. (An den Infoabenden wurde uns mitgeteilt, dass man ja in den Ferien genügend Zeit hätte, die Prüfungen mit den Kindern zu besprechen und aufzuarbeiten!)
Das aktuelle System ist intransparent und schliesst Eltern aus. Einspruch gegen ungerechtfertigte Noten kann man nur erheben, wenn man die Leistungen und Bewertungen einsehen kann. Eine Kontrolle der Prüfung, ob z.B. die jeweilige Punktezahl korrekt ist oder ob die Prüfung mit den Lernzielen übereinstimmt, ist nicht möglich. Fragen zur Beurteilung selbst, zum Beurteilungsmassstab oder einfach sonstige Fragen zur Prüfung sind nicht möglich.
Die Eltern werden erst bei einer ungenügenden Note über das Leistungsdefizit Ihres Kindes informiert, dies ist in unseren Augen zu spät. Um die Kinder optimal zu unterstützen, ist es wichtig, allfällige Defizite und verpassten Lernstoff frühzeitig zu erkennen und entsprechende Unterstützung zu leisten. Dies ist mit dem aktuellen Prüfungsrückgabesystem nur erschwert möglich.
Lernerfolge können mit dieser Prüfungsregelung ebenfalls nicht gewürdigt werden, was auch zu einer Demotivation der SchülerInnen führen kann. Vielen Kindern ist es ein Bedürfnis, die guten Leistungen in der Schule auch ihren Eltern zu zeigen. Nicht nur den SchülerInnen nimmt man dieses positive Erlebnis, sondern auch den Eltern. Der Zusammenhang zwischen positiver Verstärkung und Lernerfolg sollte auch der Schulleitung hinlänglich bekannt sein.
Auch ist es nicht allen Eltern zeitlich möglich, die erfolgten Prüfungen in der Schule anzuschauen, um die Fehler oder Lerndefizite zu erkennen. Es kann nicht sein, dass Eltern wöchentlich verschiedenste Termine mit verschiedenen Lehrpersonen vereinbaren müssen, um über den Lernstand ihrer Kinder informiert zu sein.
Begründet wurde die Einführung dieser Neuregelung unter anderem damit, dass es SchülerInnen gäbe, die Prüfungen verlieren oder nicht von den Eltern unterschreiben lassen. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, weshalb eine Mehrheit mit dieser Form der Prüfungsrückgabe "bestraft" wird, nur aufgrund eines Fehlverhaltens einer Minderheit.
Ausserdem sind wir sehr erstaunt, wie man im Jahre 2023 an den Primarschulen Möhlin mit Eltern grundsätzlich umgeht und kommuniziert. Offenheit und Transparenz gegenüber der Elternschaft scheinen an der Primarschule Möhlin keine gelebten Werte zu sein. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit den involvierten Personen scheinen Mitwirkung und Mitarbeit sowie Mitsprache und Mitbestimmung der Elternschaft an der Schule Möhlin nicht erwünscht.
Zudem ist es nicht so, dass die meisten Eltern oder Lehrer mit dieser Neuregelung einverstanden sind, sondern viele haben nicht die Geduld und auch nicht die zeitlichen Ressourcen sich gegen diese Rückgaberegelung zur Wehr zu setzen und/oder befürchten gar Repressionen seitens der Schulleitung, sofern sie sich kritisch gegenüber der Schule äussern.

Vorgeschlagene Lösung:
Rückkehr zum alten System mit wöchentlichen Prüfungsrückgaben an allen Klassen und an allen Standorten der Primarschulen Möhlin oder zumindest das individuelle Ermöglichen der wöchentlichen Prüfungsrückgabe für die am Lernfortschritt und Schulerfolg interessierten Eltern.
Wir fordern mit diesem Schreiben den Gesamtgemeinderat auf, das Gespräch mit uns Eltern zu führen.»

Unterzeichnet ist das Schreiben im Namen der Interessengemeinschaft «Sinnvolle Prüfungsrückgabe» von Denise Keser und Ursula Kaufmann.