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Sofia Chautems beim Treffen mit fricktal.info in einem Café in Möhlin. Foto: Lilia Staiger

«Ich will die Menschen aufrütteln» – Jungautorin Sofia Chautems aus Möhlin

Sofia Chautems aus Möhlin ist 21 Jahre alt und wurde bereits drei Mal in Folge beim internationalen Vechtaer Jugendliteraturwettbewerb ausgezeichnet, ausserdem erhielt sie 2023 eine Auszeichnung beim Schreibstar-Wettbewerb der Zürcher Oberland AG und gewann 2021 den Schreibwettbewerb Basler Eule. fricktal.info hat die Studentin getroffen, um mit ihr über ihre literarische Begabung sowie ihre Inspiration für ihre Geschichten zu sprechen und zu erfahren, weshalb sie sich am Ende für ein Chemiestudium entschieden hat.

LILIA STAIGER

Sofia lacht, wirkt freundlich und offen, jugendlich und doch sehr reif für ihr Alter, selbstbewusst und doch teilweise etwas verlegen. Es lässt sich bereits erahnen, dass es sich um eine vielschichtige und intelligente junge Frau handelt, die viel zu erzählen hat – ob in ihren Geschichten oder über ihr Leben.
Wenn sie nicht gerade Geschichten schreibt, tüftelt die Studentin im Chemielabor an der Uni oder lernt für ihre Prüfungen. Sie ist auch Mitglied im Verband Basler Chemiestudierender. Ausserdem spielt Sofia Geige und liest für ihr Leben gern – von Shakespeare über Horror bis hin zu Science-Fiction darf es alles sein.

Mehrfach ausgezeichnet
2021 gewann die Möhlinerin ihren ersten Jugendliteraturpreis, die Basler Eule. Ihre damalige fiktive Kurzgeschichte spielte in der New Yorker U-Bahn, wo die Protagonistin Olivia von der Existenz einer in den Tunnelgängen lebenden Zivilisation erfährt, die in der Lage ist, Unheil vorherzusehen, und die überirdisch lebenden Menschen durch Zeichen warnt.
Die Frage, ob Sofia selbst schon einmal in New York war, verneint sie. Sie war bislang auch – glücklicherweise – ebenso wenig bei einer Überschwemmung in Panama vor Ort und musste kein schmutziges Wasser mit Eimern aus einem Haus befördern, und sie hat auch noch nie eine Bluttransfusion erhalten. Ihre Geschichte «Steter Tropfen» beschreibt die Gefühle und Gedanken einer Person, die regelmässig eine Bluttransfusion erhält und was für ein Glück dies für sie bedeutet. Für ihre Geschichten recherchiert sie die Fakten genau, wie beispielsweise statistische Werte zum Thema Blutspenden auf der Seite des Schweizerischen Roten Kreuzes. «Mir ist es wichtig, dass in meinen Geschichten das Wesentliche korrekt dargestellt wird und wissenschaftlich fundiert ist, auch wenn die Erzählungen fiktiv sind.» Mit dem Thema Blutspenden hat sich Sofia eingehend befasst, und sie möchte auch selbst Blut spenden.

Der Leser ist hautnah dabei
Beim Lesen von Sofias Geschichten hat man das Gefühl, hautnah dabei zu sein – von den zwei zuvor genannten Themen handelten ihre Texte für die letztjährigen Vechtaer Jugend­literaturpreise. Die junge Autorin beschreibt ihre Protagonisten sowie die Handlungen mit viel Detailreichtum, und die Erzählungen lesen sich so locker und leicht, als wären sie eben doch real. «Ich bin eine Beobachterin, und mir sind schon immer viele Details aufgefallen. In meiner Gymizeit im Fach Deutsch habe ich ausserdem gelernt, Details symbolisch einzusetzen und Wörter präzise auszuwählen», erklärt Sofia, «ich mache mir immer viele Gedanken, ob ein bestimmtes Wort genau in meine Geschichte passt, sonst tausche ich es wieder aus. Ich setze beispielsweise auch Teile von Sprichwörtern gezielt ein, wie im Titel der Geschichte ‹Steter Tropfen›.»

Sofia Chautems beim Treffen mit fricktal.info in Möhlin. Foto: Lilia Staiger«Ich versetze mich in Charaktere hinein»
Doch nicht nur ihre Beobachtungsgabe und ihr gutes sprachliches Gefühl helfen ihr dabei, spannende Geschichte zu erfinden und zu schreiben, die Studentin spielt zudem gerne Theater und hat auch bereits einen Schauspielkurs an der Zürcher Hochschule der Künste absolviert. «Durch die schauspielerischen Grundlagen aus dem Kurs kann ich mich sehr gut in verschiedene Charaktere hineinversetzen, vielleicht erscheinen meine Protagonisten deshalb so authentisch.»

Chemie statt Poesie
Aktuell hat Sofia aufgrund ihres Studiums wenig Zeit zum Schreiben. Sie hat sich – als Gegensatz zu ihrem Hobby Schreiben – für ein Chemiestudium entschieden, und es macht ihr grossen Spass. Vor ein paar Jahren wollte sie noch Germanistik studieren, aber sie entschied sich um, als sie am Gymnasium Gefallen am Fach Chemie fand. «Ich bin ausserdem glücklich damit, wenn das Schreiben mein Hobby bleibt und nicht zum Beruf wird», ergänzt sie. «Das Chemiestudium ist zeitlich wirklich anspruchsvoll, und das Einzige, was ich dafür gerade schreibe, sind Protokolle, die alles andere als kreativ sind», berichtet sie und lacht dabei, «an einem Protokoll bin ich aber teilweise länger beschäftigt als am Schreiben einer Kurzgeschichte».

45 Minuten für eine Geschichte
Eine ihrer letzten Geschichten für den Vechtaer Jugendliteraturpreis verfasste sie in sage und schreibe nur 45 Minuten. «Wenn ich eine Idee habe, und die habe ich meistens schnell, sobald ich das Thema eines Literaturwettbewerbs erfahre, kann ich die Geschichte oft am Stück niederschreiben.» Sofia will auch weiter an Literaturwettbewerben teilnehmen und hält schon Ausschau nach neuen. Für den Vechtaer Jugendliteraturwettbewerb ist sie inzwischen nämlich leider zu «alt», da nur Jugendliche bis 21 Jahre teilnehmen dürfen.

Klimawandel – Sorge der heutigen Jugend
Eine von Sofias Geschichten handelt von einer düsteren Gegenwart, in der die Protagonisten über eine «alte Zukunft» sprechen, in der der Planet «gesund» geworden wäre, doch in der tatsächlich eingetretenen Zukunft leben die Menschen in unterirdischen «Extremwetterbunkern», da der Klimawandel ein normales Leben auf der Erdoberfläche unmöglich gemacht hat. Das Thema Klimawandel sowie auch politische Sorgen aufgrund der derzeitigen Kriege und des sich aktuell international abzeichnenden rechtspolitischen Vormarschs beschäftigen die Studentin.
«Wenn es unseren Planeten einmal nicht mehr gibt, erübrigen sich auch alle anderen Themen», erklärt die junge Autorin, «es heisst oft, dass die Jugendlichen von heute keine Sorgen haben, doch tatsächlich sind es all diese Themen, die mich und viele andere beschäftigen und letztlich auch betreffen», führt Sofia aus. «Mit meinen Geschichten zu den ernsten Themen will ich die Leser wachrütteln, denn es ist noch nicht zu spät, etwas zu ändern, aber es ist ‹fünf vor zwölf›». Ansonsten steht für sie die Unterhaltung der Leserinnen und Leser im Vordergrund.

Eigenes Buch als Lebensziel
Und was sind Sofias Pläne für ihre eigene Zukunft? «Ich möchte meinen Master in England machen. Grundsätzlich ziehen mich Grossstädte an, auch Basel aufgrund des Theaters und der vielen Museen», schwärmt sie, «toll fände ich es auch, später in New York, London oder einer anderen Metropole zu leben.»
Mit einem eigenen Buch hat es die junge Autorin aber nicht eilig: «Es ist sicher ein Lebensziel von mir, mal ein Buch zu veröffentlichen. Aber es muss schon eine wirklich gute Idee sein, und ich möchte mir viel Zeit dafür nehmen, denn ich habe grosse Ehrfurcht davor. Einen Roman könnte ich mir gut vorstellen.»

Hier geht es zu Sofia Chautems Geschichte «Zukunft ist die morgige Gegenwart», mit der sie 2023 beim 6. Vechtaer Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde.

Bilder
Erstes Bild: Sofia Chautems beim Treffen mit fricktal.info in einem Café in Möhlin. Foto: Lilia Staiger
Zweites Bild: Sofia Chautems beim Treffen mit fricktal.info in Möhlin. Foto: Lilia Staiger