Seit 40 Jahren unterstützt die Ökumenische Weltgruppe Möhlin, früher «Dritte Welt Gruppe» der römisch-katholischen Kirchgemeinde Möhlin, Projekte im Tschad, dessen Norden Teil der Wüste Sahara ist. Seit 23 Jahren betreut sie das Projekt CESER, das sich der Förderung von behinderten Kindern und Jugendlichen, von Mädchen und jungen Frauen ebenso wie von Jungen und jungen Männern, widmet.
PETER SCHÜTZ
CESER steht für Centre d´Education Specialisée pour Enfants Retardés, also «Zentrum von spezialisierter Bildung für behinderte Kinder und Jugendliche.» Projektverantwortlicher und Kontaktperson vor Ort ist Adoum-Kdjim Naïban. Er hält die Weltgruppe in Möhlin auf dem Laufenden. Seine jährlichen Berichte übersetzt Andreas Burckhardt, Vizepräsident der Weltgruppe, vom Französischen ins Deutsche.
Was mit Kirchensteuern alles möglich gemacht wird, zeigt die Römisch-Katholische Landeskirche Aargau: Vor kurzem hat ihr Kirchenrat unter dem Aspekt der grenzenlosen Solidarität mit Menschen in Not seine Unterstützung für das Projekt CESER 10 000 Franken ausgesprochen. Damit honoriert der Kirchenrat zugleich die 40-jährige Beziehung der Weltgruppe Möhlin mit dem zentralafrikanischen Binnenland zugunsten von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung. Langzeitprojekte, teilt die Römisch-Katholische Landeskirche Aargau mit, werden drei bis zehn Jahre durch die Landeskirche unterstützt, sofern das Projekt durch eine Aargauer Kirchgemeinde begleitet und unterstützt wird.
Ziel des Projekts CESER ist die Verbesserung des Schutzes und der Befähigung von Kindern mit geistiger Behinderung im täglichen Leben, in der Grundbildung, der beruflichen Bildung sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung zu diesem tabuisierten Thema. CESER verfügt über Schreinerei-, Näherei- und Lederbearbeitungsateliers, hinzu kommt Garten- und Landwirtschaft. Stefan Schwarz, seit 25 Jahren Mitglied und seit 20 Jahren Präsident der Weltgruppe, sieht den von der Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau ausgesprochenen Beietrag als gut angelegt: Geplant ist nun als Zusatzprojekt eine Werkstätte, in der sich die Jugendlichen handwerklich weiterentwickeln können, berichtet Stefan Schwarz. Sie soll den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen.
Die Anfänge der Weltgruppe Möhlin reichen ins Jahr 1976 zurück. 1983 entstand daraus die «Dritte Welt Gruppe». 2008 erhielt sie den heutigen Namen «Weltgruppe Möhlin». Von Anfang an war sie als gemeinnütziger Verein eingetragen. «Wir sind ein Verein und arbeiten gut mit den Kirchen zusammen», erklärt Stefan Schwarz, «und wir sind ehrenamtlich tätig». Der Verein habe ein Gastrecht bei den drei in Möhlin tätigen Kirchen – also bei der Römisch-Katholischen, Christ-Katholischen und Reformierten Kirche. «Wir werden von ihnen finanziell unterstützt», sagt Schwarz.
Das Engagement im Tschad begann vor 40 Jahren, als noch Material – Medikamente, medizinische Apparate, Kleider, Spielsachen – in Container verladen wurde. Das sei schon lange nicht mehr der Fall, berichtet Stefan Schwarz, «man schaut, dass die Wertschöpfung mit finanziellen Mitteln gestaltet werden kann». Und, so der Weltgruppe-Präsident: «Tschad ist nur ein Schwerpunktland, das wir haben.» Weitere von der Weltgruppe betreute Projekte befinden sich in Ecuador, Kenia, Lesotho, Mongolei, Somalia, Ukraine und Schweiz (Deutschkurse). Internet: www.weltgruppe.ch
Der Film
Die Weltgruppe Möhlin lädt am Freitag, 17. November, um 19 Uhr zu einem öffentlichen Filmabend im Pfarreizentrum Schallen ein. Der Film heisst «Lingui – Frauenpower auf Afrikanisch.» Seit 40 Jahren unterstützt die Weltgruppe Möhlin Projekte im Tschad. Aus diesem Anlass wurde dieser Film aus dem Tschad ausgewählt.
Zum Inhalt: Am Rande der Stadt N’Djamena im Tschad lebt Amina allein mit ihrer 15-jährigen Tochter Maria. Als diese schwanger wird, bricht ihre ohnehin schon fragile Welt zusammen. Im Land wird die Abtreibung nicht nur von der Religion verurteilt, sie wird auch vom Gesetz geahndet. Vereint mit den Frauen des Quartiers kämpft Amina für die Selbstbestimmung ihrer Tochter. Ein starkes Plädoyer für die Kraft der weiblichen Solidarität. Der Eintritt ist frei.